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Enrico Bendinelli

Birgit: Enrico, wir hatten uns das letze mal auf der Messe Intergastra & Gelatissimo in Stuttgart gesehen. Waren Dein Vater und Du mit der Messe und den geknüpften Kontakten zufrieden?

Enrico Bendinelli: Ja, die Qualität der Kontakte bzw. Besucher war sehr hoch, es waren viele Fachleuten bei der Messe die ein großes Interesse für unsere Produkten gezeigt haben. Darüber hinaus muss ich sagen, dass wir auch mit den Kontakten aus der Kaffeebranche sehr zufrieden waren. Wir haben viele andere Röstereien in unserer Größe kennengelernt und auch mögliche zukünftige Lieferanten, wie etwa Rohkaffeehändler, Röstmaschinenproduzenten u.s.w.

Birgit: Wir Deutschen lieben ja Italien. Hattest Du während bzw. nach der Messe denn auch noch etwas Zeit um Dir Stuttgart und somit ein Stück Deutschland anzuschauen und wenn ja, was hat Dir besonders gut gefallen?

Enrico Bendinelli: Leider war die Zeit immer sehr knapp und wir hatten nur am Abendessen etwas Zeit. Ich bin dann mit meinem Vater zum Essen ausgegangen und habe die schwäbische Küche ausprobiert, (wie etwa Maultaschen, Spätzle usw.), es hat uns alles geschmeckt. Natürlich essen wir zuhause italienisch, aber immer wieder etwas Neues zu probieren gefällt mir besonders gut.

Caffe Roen Costa del Sol

Birgit: Wo siehst Du die Unterschiede zwischen den italienischen und deutschen Kaffeetrinkern? Welche eurer Kaffeemischungen würdest Du als typisch italienisch und welche als typisch deutsch beurteilen?

Enrico Bendinelli: Der markanteste Unterschied zwischen italienischen und deutschen Kaffeetrinkern ist für mich sicherlich das Mischen mit Milch. In Deutschland sehe ich sehr oft, dass Espresso zusammen mit Milch getrunken wird ( z.B. Latte Macchiato, Cappuccino usw.). In Italien ist das Trinken dieser Milchmischgetränke eher tageszeitlich limitiert. Wir trinken typischerweise Cappuccino und Latte Macchiato fast nur zum Frühstuck bei einer Kaffeebar und überhaupt nicht beim bzw. nach dem Essen. Das finde ich weder richtig noch falsch – in Deutschland wird einfach eher das getrunken auf was man gerade Lust hat, während in Italien das Kaffeetrinken eine Tradition ist und eine gewisse Lebenweise widerspiegelt.
Aus unseren Kaffeesorten würde ich den Extra Bar als eine typisch norditalienische Röstung bezeichnen, hingegen den kräftigeren Gran Bar eher als eine süditalienische Kaffeemischung sehen. Da viele Deutsche lieber einen etwas milderen Kaffee trinken, würde ich den 100% Arabica Gourmet als eine eher deutsche Mischung einstufen. Aber es zählt wie immer der persönliche Geschmack.

Birgit: Wer Dich kennt, weiß, dass Du ein nahezu perfektes Deutsch sprichst. Wo hast Du denn so gut Deutsch gelernt?

Enrico Bendinelli: Ich habe Deutsch bei einem Bachelor als Sprache an der Universität Verona studiert. Aber um Deutsch richtig zu lernen habe ich zweimal im Sommer in Deutschland gejobbt. Dieser Auslandsaufenthalt hat mir sehr viel gebracht um mir eine gute Sprachkenntnis anzueignen und damit mein Studium abzuschließen, bevor ich 2008 in unsere Firma eingestiegen bin.

Kaffee und Espresso Bendinelli

Birgit: In Deutschland wird viel Kaffee getrunken und viele Kaffeerösterein bemühen sich um diese Kunden. Warum sollen Kaffee- und Espressotrinker gerade Euren Kaffee trinken und worin unterscheidet ihr Euch von den anderen Kaffeeröstereien?

Enrico Bendinelli: Im Vorfeld muss man sagen, dass die Wahl eines Kaffees von vielen Faktoren beeinflusst wird, wie etwa der Geschmack, der Preis, die Verpackung usw.
Ich glaube aber, dass unsere Espresso-Sorten für die deutschen Kaffee- und Espressotrinker interessant sind, weil sie sich untereinander stark unterscheiden und somit eine breite Geschmackspalette abdecken in der jeder Kaffeetrinker seinen Lieblingskaffee findet. Das wird aber nur dadurch möglich, da wir viel Zeit und Erfahrung in unsere Kaffees investiert haben. Dabei versuchen wir auch weiterhin die Qualität unserer Rohkaffees zu optimieren und die Röstung daraufhin abzustimmen.

Birgit: Lass uns auch noch einen Blick in die Zukunft werfen. Gibt es vielleicht schon 2014 Neuerungen und Änderungen in Eurer Kaffeerösterei? Geht vielleicht eine neue Kaffeemischung an den Start oder habt ihr etwas anderes geplant?

Enrico Bendinelli: Wir sind immer dabei an etwas Neuem zu planen und zu verbessern. Unsere Kaffeemischungen versuchen wir stetig zu optimieren und zu verbesseren bzw. auch neue Sorten zu entwickeln. Die wichtigste Neuheit für 2014 ist aber unsere neue Verpackungsmaschine und die neue Verpackung der Linie Caffè Roen. Die neuen Beutel werden etwas kürzer und farblich optimiert sein. Die Graphik und Bilder bleiben davon unangetastet, sodass unsere Kunden die goldene Tasse auf unserer Verpackung immer noch sofort sehen und erkennen können.

Caffe Roen Pads und Cialde

Birgit: Dein Vater, der Eure Rösterei gegründet hat, ist jetzt schon viele Jahre dabei. Wie sieht er denn die aktuelle Entwicklung? Ist das Geschäft härter geworden?

Enrico Bendinelli: Er sieht die Entwicklung der Firma in den letzten Jahren sehr positiv. Nach so vielen Jahren harter Arbeit und Bemühungen kommt immer mehr Freuden auf. Natürlich ist das Geschäft auch härter geworden, die Krise in Italien hat den Wettkampf verschärft, besonders in der Gastronomie. Wir sind aber unserer Qualität treu geblieben was sich bislang noch immer gelohnt hat.

Birgit: Jetzt noch eine private Frage. Als Juniorchef eines Familienunternehmens bleibt oftmals viel Zeit auf der Strecke. Viele hier in Deutschland werden Dich natürlich um Deine Nähe zum Gardasse beneiden. Was sind Deine Hobbies und was machst Du in Deiner Freizeit?

Enrico Bendinelli: Ja, das stimmt, in der Firma gibt es immer viel zu tun und die Freizeit ist meistens knapp, besonders im Sommer, wenn hier am Gardasee viel los ist.
In meiner Freizeit gehe ich gern mit Freunden aus. Im Winter zieht es uns da nach Verona und im Sommer natürlich an den Gardasee. Meine Hobbies bestehen hauptsächlich aus Sport. Diese sind sind auch saisonal bedingt, d.h. im Winter verbringe ich meine Freizeit mit Kampfsport wie Karate und Kick Boxen und im Sommer meistens mit Laufen entlang des Sees oder auf dem Land hier in der Gegend.

Das Interview führte Birgit Scheffold

Kaffee und Espresso Roen

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